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Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software

Github und das Thema "Post Open Source Software"

Von: Lisa Käde

James Governor, der Gründer von RedMonk, twitterte kürzlich: “Younger devs today are about POSS – Post open source software. F**** the license and governance, just commit to github.”

GitHub, das auf der Open Source Software “Git” basiert, ist eine Internetplattform, die unter anderem das Hosting von Softwareprojekten kommerzieller und nicht-kommerzieller Art anbietet, um das parallele Arbeiten an Projekten zu ermöglichen und zu vereinfachen. Das Motto: “Build software better, together.”

Die Twitter-Nachricht von James Governor zog eine Reihe von Berichten im Internet (Simon Phipps, GitHub needs to take open source seriously, Chris Barylick, Github, legal language needing to be updated and the lawyers at the gate, Mark Radcliffe, Unlicensed FOSS: Major Mistake for Developers) nach sich, die unter anderem kritisieren, dass bei einer großer Anzahl der Projekte auf GitHub keinerlei Lizenzinformationen angegeben sei – obwohl sie öffentlich zugänglich sind und von den Autoren damit zur weiteren Verbesserung und Verwendung in anderen Projekten freigegeben wurden.

Ein Kommentator merkte zu einem der Berichte auf infoworld.com an, dass es nicht daran läge, dass den Entwicklern das Thema Lizenzen egal sei. Sie wollen jedoch nicht Tage damit verbringen, die unterschiedlichen Lizenzen zu verstehen und eine auszuwählen. Dem Programmierer, der auf  eines der freigegebenen Projekte zugreift und dazu beitragen möchte (sprich “den Code verändern und / oder erweitern möchte”) stelle sich daher die Frage, wie – und ob – er diesen Code nun verwenden kann.

Wichtig werde die Lizenzfrage zum einen dann, wenn es zum Streitfall kommt – kann der Programmierer sich darauf berufen, dass der Urheber sein Werk konkludent freigegeben hat, oder kann sich der Urheber in jedem Fall auf die Berner Übereinkunft berufen, die besagt, dass das Urheberrecht auch ohne Kennzeichnung oder Registrierung besteht? Zum anderen würden auch Unternehmen, die Code in ihre Software integrieren wollen, ein nicht unerhebliches Risiko eingehen, wenn sie die Frage der Lizensierung nicht im voraus klären.

Auf der einen Seite wird GitHub kritisiert, weil es Open Source nicht ernst nehme. Vielen Entwicklern sei das Problem nicht bewusst. Sie würden davon ausgehen, dass sie freigegebene Projekte ohne weiteres weiterverwenden dürften – auch wenn keine Lizenz angegeben ist. Es gebe auch keine Standardlizenz, die für alle Projekte gilt, wenn keine anderen Angaben gemacht wurden. Simon Phipps schlägt mehrere Lösungsansätze vor – unter anderem eine Anpassung der Terms of Service von GitHub, sodass jedes Projekt automatisch der Apache v2 Lizenz unterliegt, oder einen Lizenzkatalog mit Open Source Lizenzen, aus denen Projektgründer wählen oder alternativ eine eigene Lizenz angeben können.

Momentan lautet der Abschnitt “Copyright” in den Terms of Service von GitHub wie folgt:
“We claim no intellectual property rights over the material you provide to the Service. Your profile and materials uploaded remain yours. However, by setting your pages to be viewed publicly, you agree to allow others to view your Content. By setting your repositories to be viewed publicly, you agree to allow others to view and fork your repositories.”

Der Begriff “fork” wird auf den GitHub-Hilfeseiten wie folgt erklärt: “At some point you may find yourself wanting to contribute to someone else's project, or would like to use someone's project as the starting point for your own. This is known as "forking."” Wie weit daraus jedoch abzuleiten ist, dass der Benutzer von GitHub seine Software durch die Zustimmung zu den Terms of Service zur "Open Source" Software erklärt, geht aus den Terms of Service nicht eindeutig hervor. Dafür könnte sprechen, dass GitHub seine kostenlosen Dienste für "open source" Projekte zur Verfügung stellt (GitHub wirbt damit, dass seine Dienste "free for open source" seien) - inwieweit hier jedoch der Begriff "open source" als Bezeichnung für Software, die lediglich quelloffen ist, oder für Software, die tatsächlich unter einer Open Source Lizenz steht, gemeint ist, wird nicht klar.

In den Kommentaren zu den Berichten wird GitHub verteidigt – es sei nicht die Aufgabe einer Organisation, die Lizensierung durch die Projekteigner oder die Beitragenden zu überwachen. GitHubs Vice President of Marketing wird ebenfalls zitiert – die Terms of Service seien absichtlich und “Code ohne eine explizite Lizenz sei automatisch “All Rights Reserved” geschützt. […] Immer wenn Sie fremde Software nutzen, sollte die Lizensierung geklärt und eingehalten werden”.

Chris Barylick fasst auf sdtimes.com zusammen: GitHub sei ständigen Veränderungen unterlegen und seine Terms of Service würden sich vermutlich im Lauf der Zeit ebenso verändern und weiterentwickeln. Es sei eine Sache, ein großes Stück Code zu finden, dass das eigene Projekt perfekt ergänzt und frei von Lizenzen zu sein scheint. Es sei jedoch eine andere Sache, einen bitterbösen Beschwerdebrief von einem Anwalt zu bekommen, der aussagt, dass das perfekte Stück Code nicht so frei war wie gedacht.

Wie dann die Gerichte - welchen Landes auch immer - entscheiden werden, darf wirklich mit Spannung abgewartet werden.