Open Content und Open Access

 

A. Einführung

War vor wenigen Jahren "Open Content", also die Übertragung des Lizenzmodells der Freien Software auf anderen Werkarten noch visionäre Zukunftsmusik, so scheint sich das Lizenzmodell heute etabliert zu haben.

Der Begriff "Open Content" wird dabei nicht immer einheitlich verstanden. Verwendet man ihn -- wie es sich mittlerweile vielfach eingebürgert hat -- in einem weiteren Sinne, so werden darunter eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Lizenzgestaltungen zusammengefasst. Diese gestatten in der Regel die lizenzgebührenfreie Vervielfältigung und Verbreitung sowie die Zugänglichmachung der Inhalte durch jedermann zu jedem Zweck oder zu bestimmten (z.B. nichtkommerziellen) Zwecken. Darüber hinaus werden teilweise die Rechte zum Vertrieb von Bearbeitungen der Inhalte (mit oder ohne Beschränkungen) eingeräumt. Insgesamt beschreibt der Begriff Open Content damit eine deutlich größere Bandbreite an Lizenzen als der für den Softwarebereich fest etablierte Begriff "Open Source".

Andere verwenden den Begriff der "Open Content Lizenzen" nach wie vor in einem engeren Sinne. Es werden nur solche Lizenzen als "offen" verstanden, die neben der Vervielfältigung und Weitergabe auch gestatten, dass jedermann die Werke verändert und in der veränderten Version an Dritte weitergibt oder diesen zugänglich macht. Damit soll eine inhaltlich parallele Verwendung zum Begriff "Open Source" sichergestellt werden: Bei Open Source Software ist es essentiell, dass jedermann die Software zu jedem (kommerziellen oder nichtkommerziellen) Zweck in unveränderter und in veränderter Version vervielfältigen, verbreiten und zugänglich machen darf.

Zusätzlich Begriffsverwirrung ruft der Begriff "Open Access" hervor. Der Begriff wird von der "Berlin Declaration", welche die großen deutschen Forschungseinrichtungen und -organisationen unterzeichnet haben, definiert und ist vor allem im Wissenschaftsbereich verbreitet. Nach der (englischsprachigen) Berlin Declaration erfüllen solche Publikationen die Anforderungen von Open Acces, welche die freie Veränderung und Weitergabe von Inhalten im Internet gestatten. Insoweit scheinen Open Access und Open Content (im engeren Sinne) übereinzustimmen. Zusätzlich gefordert ist die Veröffentlichung der Inhalte auf einem online zugänglichen Archivserver. Interessanterweise enthält die deutsche Version der "Berliner Erklärung" nicht die Freiheit, die Inhalte zu verändern. Die Konzeption ist also nicht völlig klar. Die Unterzeichner der "Berlin Declaration" haben bislang keine eigenen Lizenzen veröffentlicht. Auch sind keine Empfehlungen für eines der unten aufgeführten Lizenzmodelle bekannt geworden. Einige der genannten Lizenzen wären als lizenzrechtliche Grundlage für Open Access-Projekte geeignet. Man sollte hier jeweils sorgfältig prüfen, ob man von den Anforderungen der deutschen oder englischen Version der Berliner Erklärung ausgeht und welche Freiheiten die jeweiligen Lizenzen den Nutzern einräumt.

Das Open Content Modell (in einem weiteren Sinne) hat durchaus weit zurückreichende Wurzeln, stellt doch der schlichte Hinweis des Autors "Nachdruck gestattet" eine seit langem verwendete Möglichkeit dar, eine dezentrale Weitergabe von urheberrechtlich geschützten Inhalten in Gang zu setzen. Im Gegensatz zu solchen schlichten und teilweise unklaren Hinweisen (Soll auch der Vertrieb über das Internet gestattet sein?) ermöglichen die Open Content Lizenzen jedoch eine deutlich differenziertere Gestaltung der Rechtseinräumungen und treffen darüber hinaus Regelungen für mit der Rechtseinräumung zusammenhängende Folgeprobleme, etwa Fragen der Gewährleistung und Haftung. Der Vertrieb von urheberrechtlich geschützten Inhalten unter Open Content Lizenzen hat dabei mittlerweile in bestimmten Bereichen -- nicht zuletzt bei wissenschaftlichen Publikationen -- einen beachtlichen Interessenzuwachs erfahren. In Verbindung mit modernen Formen der Weitergabe von Informationen und urheberrechtlich geschützten Werken, insbesondere über das Internet, werden damit Möglichkeiten geschaffen, die eine schnelle Diffusion von Wissen als Grundlage der Generierung weiteren Wissens ermöglichen.


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B. Ausgewählte Open Content Projekte

In den vergangenen Jahren haben sich eine Vielzahl von Projekten herausgebildet, die die Zurverfügungstellung und Nutzung von Open Content unterstützen. Bei einer Reihe dieser Projekte hat auch das Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software (ifrOSS) mitgewirkt:

I. Digital Peer Publishing NRW

Die Open-Access Initiative "Digital Peer Publishing NRW" (DIPP) ist vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen worden, um Entwicklungen im wissenschaftlichen Informationsmanagement im digitalen Zeitalter zu unterstützen. Unter dem Dach von DIPP werden eine Reihe von E-Journals aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen veröffentlicht.

Allen E-Journals liegt eine sog. Digital Peer Publishing Lizenz zugrunde, die gemeinsam mit dem ifrOSS entwickelt wurde. Angeboten werden drei unterschiedliche Lizenzmodule, bei denen die Rechtseinräumung jeweils kostenlos erfolgt: Das Basislizenzmodul (DPPL), das auch in englischer Sprache erhältlich ist, sieht vor, dass die Dokumente von jedermann gelesen und unverändert elektronisch weitergegeben oder zum Download bereit gestellt werden können. Da das Dokument nur elektronisch weitergegeben werden darf, verbleiben die Rechte für die Nutzung in Druckform oder auf Trägermedien bei dem Autor. Dies soll es dem Urheber ermöglichen, ausschließliche Rechte zum körperlichen Vertrieb von Werkexemplaren (Buch, Zeitschrift etc.) einem Dritten, etwa einem Verlag, einzuräumen. Die weiteren Module -- die "modulare DPPL" und die "freie DPPL" -- ermöglichen dem Lizenznehmer auch eine Veränderung der Materialien. Die modulare DPPL gestattet dabei eine Veränderung nur an vom Urheber freigegebenen Teilen. Beispielsweise kann ein Text unveränderbar sein, während ein Bild zur Änderung freigegeben wird. Die freie DPPL gestattet Änderungen des gesamten Werkes.

Die DIPP-Initiative stellt im Zusammenhang mit den Lizenzen auch einen umfangreichen FAQ zur Verfügung, der von Mitarbeitern des ifrOSS erstellt wurde. Dieser FAQ behandelt Fragen zu den folgenden Themenbereichen:

  • Allgemeines zu den DIPP-Lizenzen
  • Veröffentlichung von Werken unter DIPP-Lizenzen
  • Abschluss und Beendigung einer DIPP-Lizenz
  • Rechte und Pflichten bei der Verwendung von DIPP-Lizenzen
  • Gewährleistung und Haftung
  • Veränderung von lizenzierten Werken
  • Neue Lizenzversionen
  • Lizenzverletzungen

II. Creative Commons

Creative Commons ist eine 2001 gegründete, weltweit agierende Non-Profit-Organisation, die Autoren, Musikern und anderen Urhebern kreativer Werke hilft, ihre Schöpfungen auf innovative Art digital zu verbreiten. Unter dem Schlagwort "Some Rights Reserved" bietet Creative Commons eine Reihe von Lizenzen an, die eine weitgehende Nutzung der Inhalte ermöglichen, dem Lizenzgeber aber bestimmte ausschließliche Kernbefugnisse belassen. Neben diesen Lizenzen stellt Creative Commons unter anderem auch eine Reihe von Publikations- und Browsertools zur Verfügung, um die Open Content Lizenzierung, Verwaltung und Nutzung zu unterstützen.

Teil von Creative Commons ist das Projekt "International Commons". Ziel von International Commons ist es, länderspezifische Versionen der Lizenzen zu erarbeiten und zur Verfügung zu stellen, die den Besonderheiten der jeweiligen Rechtsordnungen Rechnung tragen. Mitarbeiter des ifrOSS haben bei der Erstellung der deutschen und der österreichischen Lizenzversionen mitgewirkt.

International Commons unterhält ein Büro in Berlin. Von dort wird die Anpassung des Creative Commons-Lizenzsystems an das Urheberrecht der verschiedenen Länder koordiniert, Veranstaltungen organisiert und die Präsentantion des Creative Commons-Lizenzsystems weltweit gefördert.

Creative Commons stellt neben einer Übersicht über alle verfügbaren Lizenzen auch ein komfortables Webinterface zur Verfügung, bei welchem bestimmte Lizenzierungswünsche des Urhebers abgefragt werden und auf der Basis dieser Angaben die passende Lizenz zur Verfügung gestellt wird. Der Nutzer hat folgende Entscheidungsmöglichkeiten:

  • Soll auch die kommerzielle Verwertung oder nur die nichtkommerzielle Wertung der Lizenzen gestattet werden?
  • Soll eine Bearbeitung des Inhalts zugelassen werden? Wenn ja, soll dann eine Pflicht zur Lizenzierung unter denselben Bedingungen bestehen?
  • Unter welche Rechtsordnung fällt das Werk?

III. ifrOSS Lizenzen

Das CeC Centrum für eCompetence in Hochschulen NRW (CeC), vormals Kompetenznetzwerk Universitätsverbund MultiMedia NRW genannt, hat im Jahr 2003 eine Reihe von Open Content Lizenzen und sonstigen, allgemein verwendbaren Lizenzen von den ifrOSS-Mitarbeitern Dr. Axel Metzger und Dr. Till Jaeger entwickeln lassen. Im Rahmen der Umgestaltung der Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen wurde das CeC aufgelöst und die Rechte an den Lizenztexten auf das ifrOSS übertragen, das nunmehr die Lizenztexte auf ihren Webseiten zur Verfügung stellt und pflegt. Entsprechendes wird auch für ein umfangreiches FAQ gelten, in dem wiederkehrende Fragen rund um das Thema Open Content beantwortet werden. Neben den Lizenztexten in der ursprünglichen Version 1.0 sind nunmehr die neuen Versionen 1.1 abrufbar, die seit dem 6. August 2007 in Kraft sind und auch für Werke gültig ist, die vor diesem Termin lizenziert wurden:

ifrOSS Lizenz für Freie Inhalte, Version 1.1: Texte, Datenbanken, Computerprogramme und andere Werke können nach dieser Lizenz durch jedermann und umfassend genutzt werden. Gestattet ist die Vervielfältigung, Verbreitung und Veränderung des Werks. Die Lizenz beinhaltet eine "Copyleft"-Klausel: Wer veränderte Versionen des Werks erstellt, muss diese nach den Bestimmungen der Lizenz als Open Content frei geben. Zur Version 1.0.

ifrOSS Lizenz für die freie Nutzung unveränderter Inhalte, Version 1.1: Werke, die nach dieser Lizenz genutzt werden können, dürfen vervielfältigt, verbreitet und zum Download bereitgehalten werden. Zur Version 1.0

ifrOSS Lizenz für die Nutzung von Inhalten in bestimmten Nutzerkreisen, Version 1.1: Wer seine Arbeitsergebnisse nur bestimmten Personen und Einrichtungen oder einem abstrakten definierten Kreis von Nutzern zur Verfügung stellen will, kann auf diese Lizenz zurückgreifen. In der Lizenz finden sich verschiedene Elemente, die aus der "Open Source"-Welt bekannt sind. Insgesamt handelt es sich aber nicht um "Open Content", da nur bestimmten Personen eine Nutzung des Werks gestattet wird. Zur Version 1.0

Lizenz für die nichtkommerzielle Nutzung von Inhalten an Schulen und Hochschulen (MuSofT Lizenz), Version 1.1: Wer seine Arbeitsergebnisse nur zum Zweck der nichtkommerziellen Nutzung an Schulen und Hochschulen zur Verfügung stellen will, kann auf diese Lizenz zurückgreifen. Auch in dieser Lizenz finden sich verschiedene Elemente, die aus der "Open Source"-Welt bekannt sind. So sind die Lizenznehmer nach dem "Copyleft"-Prinzip verpflichtet, Fortentwicklungen den anderen begünstigten Personen zur Verfügung zu stellen. Insgesamt handelt es sich aber nicht um "Open Content", da die Nutzung des Werks nur zu einem festgelegten Zweck gestattet wird. Zur Version 1.0


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C. Open Content Lizenzen

Da keine allgemein anerkannte Open Content Definition besteht, sind die Lizenzen sehr heterogen.

  1. Apple's Common Documentation License (v. 1.0), http://www.opensource.apple.com/cdl
  2. Creative Commons Licenses, http://creativecommons.org/licenses
  3. Digital Peer Publishing License - "Basislizenzmodul"http://www.dipp.nrw.de/lizenzen/dppl/index_html/dppl/DPPL_v2_de_06-2004.html
  4. Digital Peer Publishing License - "modulare DPPL"http://www.dipp.nrw.de/lizenzen/dppl/index_html/mdppl/m-DPPL_v1_de_11-2004.html
  5. Digital Peer Publishing License - "freie DPPL"http://www.dipp.nrw.de/lizenzen/dppl/index_html/fdppl/f-DPPL_v1_de_11-2004.html
  6. EFF Audio Public License (v. 1.0.1), http://www.eff.org/IP/Open_licenses/20010421_eff_oal_1.0.html
  7. electronic Music Public License, http://www.killerfish.de/fys/empl/empl_de.html
  8. Ethymonics Free Music License, http://www.ethymonics.co.uk/fml.html
  9. Free Art License, http://artlibre.org/licence.php/lalgb.html
  10. Freie JUSLINE Lizenz, http://www.jusline.de/index.php?cpid=fcec3561d6f420c639b271673d3b389a
  11. Lizenz "Freie Kunst" (Übersetzung der Free Art License), http://artlibre.org/licence.php/lalde.html
  12. FreeBSD Documentation License, http://www.freebsd.org/copyright/freebsd-doc-license.html
  13. GNU Free Documentation License (FDL) (v. 1.1), http://www.lysator.liu.se/~kjell-e/tekla/linux/security/fdl.html
  14. GNU Free Documentation License (FDL) (v. 1.1) - Inoffizielle deutsche Übersetzung, http://nautix.sourceforge.net/docs/fdl.de.html
  15. GNU Free Documentation License (FDL) (v. 1.2), http://www.fsf.org/copyleft/fdl.html
  16. Guy Hoffman's license, http://www.ram.org/ramblings/philosophy/fmp/hoffman_license.html
  17. ifrOSS Freie Lizenz für Texte und Textdatenbanken (IFL Text), http://www.ifross.de/ifross_html/ifl.html
  18. ifrOSS Lizenz für Freie Inhalte, http://www.ifross.de/Lizenzen/LizenzFuerFreieInhalte.html
  19. ifrOSS Lizenz für die freie Nutzung unveränderter Inhalte, http://www.ifross.de/Lizenzen/LizenzFuerUnveraenderteInhalte.html
  20. ifrOSS Lizenz für die Nutzung von Inhalten in bestimmten Nutzerkreisen, http://www.ifross.de/Lizenzen/LizenzBestimmteNutzerkreise.html
  21. Lizenz für die nichtkommerzielle Nutzung von Inhalten an Schulen und Hochschulenhttp://www.ifross.de/Lizenzen/MuSoft-Lizenz.html
  22. Linux Documentation Project Copying License, http://tldp.org/LDP-COPYRIGHT.html
  23. Open Content License (OPL), http://opencontent.org/opl.shtml
  24. Open Directory Project License, http://dmoz.org/license.html
  25. Open Game License, http://www.opengamingfoundation.org/ogl.html
  26. The green Open Music Licence, http://openmusic.linuxtag.org/modules/freecontent/content/openmusic/green.html
  27. The yellow Open Music License, http://openmusic.linuxtag.org/modules/freecontent/content/openmusic/yellow.html
  28. Open Publication License (v. 1.0), http://www.rootrecords.org/licenses.html
  29. Open Source Music License (OSML), http://www.rootrecords.org/licenses.html
  30. Public Documentation License (PDL), http://www.openoffice.org/licenses/PDL.html

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D. Weiterführende Informationen

Für weitergehende Informationen zu den Themen Open Content, Open Access und Freie Inhalte, insbesondere mit juristischem Bezug.

  1. Dreier, Thomas - Creative Commons. Science Commons - Ein Paradigmenwechsel im Urheberrecht?, in: Ohly/Bodewig/Dreier/Götting/Haedicke/Lehmann (Hrsg.), Perspektiven des Geistigen Eigentums und Wettbewerbsrechts, Festschrift für Gerhard Schricker zum 70. Geburtstag, 2005, S. 283 - 298
  2. Hansen, Gerd - Zugang zu wissenschaftlicher Information – alternative urheberrechtliche Ansätze, GRUR Int. 2005, 378
  3. Jaeger, Till/Metzger, Axel - Open Content-Lizenzen nach deutschem Recht, MMR 2003, 431
  4. Metzger, Axel - Free Content Licenses under German Law, Wissenschaftskolleg, Berlin, June 17, 2004
  5. Möller, Erik - Freiheit mit Fallstricken: Creative-Commons-NC-Lizenzen und ihre Folgen
  6. Pflüger, Thomas/Ertmann, Dietmar - E-Publishing und Open Access - Konsequenzen für das Urheberrecht im Hochschulbereich, ZUM 2004, 436-443
  7. Plaß, Gunda: Open Contents im deutschen Urheberrecht, GRUR 2002, 670
  8. Spindler, Gerald (Hrsg.) - Rechtliche Rahmenbedingungen von Open-Access-Publikationen, Göttingen 2006
  9. Stobel, Tobias: So content with Open Content - Zufriedenheit dank Open-Content-Lizenz?, MMR 2003, 778