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Institute for Legal Questions on Free and Open Source Software

FSF Europe ruft "Freedom Task Force" (FTF) ins Leben

Von Dr. Till Jaeger
 
Die FSF Europe hat eine Freedom Task Force (FTF) gegründet, die für die juristischen Aspekte der Arbeit der FSF Europe zuständig sein wird. Koordinator der FTF ist der Ire Shane Coughlan, der von Zürich aus, die FTF leiten wird. In diesem Zusammenhang wurde auch Version 1.1 des Fiduciary License Agreements (FLA) vorgestellt, mit dem Programmierer Urheberrechte umfassend an die FSF Europe zur treuhänderischen Wahrnehmung übertragen können.

Hintergrund:

Die FTF soll im Wesentlichen zwei Aufgaben erfüllen, nämlich freien Projekten bei der rechtssicheren Gestaltung ihrer Organisation zu helfen und Unternehmen über das Lizenzmodell der GNU General Public License (GPL) sowie der GNU Lesser General Public License (LGPL) zu informieren. Weiterhin sollen freie Softwarelizenzen bei Verstößen auch durchgesetzt werden. Hier wird die FTF mit dem Projekt gpl-violations.org von Harald Welte kooperieren.

Freie Projekte sehen sich zahlreichen komplexen juristischen Fragen ausgesetzt, die von der Organisationsstruktur bis zur Lizenzierung der im Rahmen des Projektes entwickelten Software reichen. Schon länger bietet die FSF Europe ein Fiduciary License Agreement an, mit dem Rechtsinhaber ihre Rechte an die FSF Europe zur treuhänderischen Wahrnehmung übertragen können. Das FLA liegt nun in einer neuen Version vor, in der einige Anpassungen zur einfacheren Verständlichkeit vorgenommen wurden. Mit dem FLA soll die FSF Europe insbesondere in die Lage versetzt werden, Lizenzverstöße auch gerichtlich zu verfolgen. Hier möchte die FTF mit dem Projekt gpl-violations.org zusammenarbeiten. Harald Welte, Maintainer des Linux-Projektes "netfilter/ipatbles" und Begründer von gpl-violations.org, hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche GPL-Verletzungen aufgedeckt und die Einhaltung der Lizenzbestimmungen durch die betroffenen Firmen durchgesetzt. In diesem Zusammenhang wurde die GPL auch vor dem Langericht München I sowie vor den Landgerichten Berlin und Frankfurt M. Gegenstand von gerichtlichen Entscheidungen (vgl. Nachrichten der Woche vom 09.10.2006 und 28.07.2004).

Daneben möchte die FTF auch ein Netzwerk von internationalen Experten im Bereich der Lizenzierung Freier Software errichten und den Informationsaustauch in diese Bereich fördern. Damit soll juristische Expertise über Freie Software für Unternehmen, die Freie Software einsetzen, ebenso zur Verfügung gestellt werden wie für Entwicklerprojekte. In diesem Bereich werden sich auch Schnittmengen mit der wissenschaftlichen Arbeit des ifrOSS ergeben, das bereits seit vielen Jahren in der Wissenssammlung und -vermittlung im Bereich von Open Source Software bzw. Freier Software, Open Content und Urheberrecht tätig ist.